Das verstehst du nicht, dafür bist du noch zu klein? Pustekuchen! – Warum das Alter (k)einen Unterschied macht.

Ihr habt es euch wahrscheinlich schon fast gedacht – das Tag-Eingabeverhalten habe ich natürlich nicht nur auf Einflüsse des Geschlechts hin untersucht, sondern eine ganze Reihe von möglichen Einflussvariablen betrachtet; u. a. das Alter.

Es würde zu weit gehen hier detailliert meine Ergebnisse zu diskutieren – ich rücke sie bei Interesse aber trotzdem gerne heraus. Das wichtigste lässt sich trotzdem gut und schnell auch ohne Details zusammenfassen.

Am besten lässt sich der Einfluss des Alters veranschaulichen, wenn man einige Beispiele durchgeht. Stellen wir uns einmal ein Porträt einer ca. 20-jährigen Frau vor. Eine ebenfalls ca. 20-jährige Frau würde dem Gemälde wahrscheinlich nicht das Tag „jung“ zuordnen. Bei einem etwa 60-jährigen Betrachter Jahren mag die Situation anders aussehen.

In meinen Daten zeigt sich Ähnliches besonders gut am Beispiel des Bildes „Napoleon überquert die Alpen am Großen St. Bernard“ von Jaques Louis David.

J.L. David: "Napoleon überquert die Alpen am Großen St. Bernard"

Sehr junge Personen – etwa zwischen 8 und 10 – sehen auf dem Gemälde einen Mann, der auf einem Pferd sitzt. Etwas ältere Menschen haben bereits gelernt, in dem Mann Napoleon zu sehen. Sie sehen nicht mehr der Mann, sie sehen den Herrscher. Dieser Unterschied liegt natürlich zunächst an der Bildung, diese wiederum hängt aber vom Alter ab.

Die beiden Beispiele zeigen, dass die Perspektive die wir einnehmen, (unter anderem) vom Alter abhängt. Und die Perspektive ist es schließlich die unsere Begriffswahl für die Beschreibung eines Bildes prägt.
Da wir mit Artigo bezwecken möglichst viele verschiedene Begriffe zu erhalten, ist es für uns demnach auch besonders sinnvoll Spieler verschiedener Altersklassen zu erhalten.

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16 Antworten auf Das verstehst du nicht, dafür bist du noch zu klein? Pustekuchen! – Warum das Alter (k)einen Unterschied macht.

  1. fb sagt:

    Ich dachte, das Titel des Bildes wäre: „Nicolas Sarkozy auf dem Weg zur Rettung von Griechenland“.

  2. keimelion sagt:

    Erst jetzt sehe ich, dass bei dem Gemälde von David der Name „Bonaparte“ auf dem Stein steht. Beeindruckend, was sich ein Maler so alles einfallen ließ, um dem Herrscher zu huldigen! Im Hintergrund sind auch noch Soldaten der Infanterie, die sich mit einer Kanone auf Rädern durch den Engpass kämpfen. Währenddessen wird Bonaparte vom starken Wind eines aufkommenden Unwetters die Berge hinauf gestoßen. Hartes Leben in den Alpen, wird sich wohl David in seinem Atelier gedacht haben, während er an Bonaparte pinselte. Ist ja auch kein Spiel so was zu malen, da wird vielleicht im Eifer des Gefechts (mit Farben) oftmals ein wenig übertrieben… 🙂

  3. keimelion sagt:

    „Und die Perspektive ist es schließlich die unsere Begriffswahl für die Beschreibung eines Bildes prägt.“

    Aha! Da haben wir es! Könnte man das bitte den Damen und Herren Kunsthistoriker, die eine (wissenschaftliche) Perspektive einnehmen und aus ihr heraus ein Bild beschreiben, damit sie eben die gleiche (wissenschaftliche) Theorie untermauern, auch noch mal laut sagen?

    D.h. es geht nicht, in dem o.g. Gemälde einen Herrscher zu sehen, um am Ende einer Beweisführung einen gemalten Herrscher zu haben. Es geht nur, in dem o.g. Gemälde nicht mehr als einen beliebigen Reiter zu sehen, der am Ende einer überzeugender Beweisführung ein Herrscher sein kann. Aber nicht sein muss, wenn man mit der kunsthistorischen bzw. -wissenschaftlichen Persuasion scheitert.

    Diese Diskussion muss ich mir aber für eine andere Seite aufheben, das ist mir schon klar! Nur soviel: ich glaube, ARTigo eignet sich nicht nur sehr gut für die Kumulation von kunsthistorischem Wissen und zur visuellen Bildung, sondern auch hervorragend für die Auflösung (Dekonstruktion) festgefahrener Perspektiven auf Kunstwerken. Und das finde ich einfach Klasse! 🙂

    Gibt es eigentlich auch altersbedingte Stereotypen? Sehen Gleichaltrige gleiches? Und wo treffen sie dann andere Generationen?

    • Laura Commare sagt:

      „ARTigo eignet sich nicht nur sehr gut für die Kumulation von kunsthistorischem Wissen und zur visuellen Bildung, sondern auch hervorragend für die Auflösung (Dekonstruktion) festgefahrener Perspektiven auf Kunstwerken.“

      Das liegt absolut im Rahmen des möglichen – allerdings ist es für eine diesbezügliche Auswertung natürlich notwendig sozio-demographische Daten zu erfassen, denn ohne diese lassen sich gruppenspezifische Perspektiven nicht identifizieren.
      Das Problem bei der Erfassung solcher Daten ist jedoch, dass viele Personen bei Angabe ihrer individuellen Merkmale ihre Anonymität gefährdet sehen.
      Das ist natürlich Unsinn, besonders im Hinblick auf das Erkenntnisinteresse: es interessiert niemanden wie Max Mustermann etwas wahrnimmt; vielmehr geht es darum Regelmäßigkeiten in der Wahrnehmung von gruppierbaren Personen zu identifizieren, sowie die Gründe, die diese Regelmäßigkeiten bedingen.

      Die Kenntnis von Beidem, also der Gründe und der daraus resultierenden Wahrnehmungsmuster, könnte durchaus dazu führen, dass die eine oder andere Perspektive neu diskutiert werden muss.

      • Laura Commare sagt:

        „Gibt es eigentlich auch altersbedingte Stereotypen? Sehen Gleichaltrige gleiches? Und wo treffen sie dann andere Generationen?“

        Die Anzahl an „jungen“ Personen in meiner Stichprobe war zu klein im vergleich zu den „älteren“ Personen, um hierzu allgemeine Aussagen treffen zu können. Allerdings würde ich schwer davon ausgehen.

        Man darf aber nicht vergessen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass ein Merkmal als einziges einen Einfluss auf die Wahrnehmung ausübt. Mit Sicherheit würde es sich bei einer näheren Untersuchung zeigen, dass das beispielsweise das Geschlecht innerhalb einer Gruppe von gleichaltrigen einen weiteren Unterschied in der Wahrnehmung bewirkt – auch der Bildungshintergrund, der eigene Bildungsstand, das persönliche Interesse an Kunst oder die ästhetische Bewertung des betrachteten Bildes mögen einen weiteren Unterschied ausmachen. So ließe sich die Liste weiterführen.

        Die Frage wie sich die Wahrnehmung und Bewertung von Kunst tatsächlich zusammensetzt und ob man wirklich von „Stereotypen“ sprechen kann, ist aber natürlich unglaublich interessant.

      • keimelion sagt:

        Natürlich interessiert niemanden, wie jemand etwas wahrnimmt, es geht immer nur um die Bilder, ob es sich um reale oder vorgestellte handelt! Das war aber auch noch nie anders…. 🙂

        Jetzt mal zu der Erhebung der wenigen persönlichen Daten im Zusammenhang mit dem Spiel: Dass man die Angaben beim „Profil“ angeben kann, wenn man sich als Spieler angemeldet hat, habe ich bislang glatt übersehen. Ich habe es jetzt nachgeholt. Aber den einzigen Aufruf zur Beteiligung, den ich kenne, liegt einige Zeit zurück. http://blog.arthistoricum.net/gemeinschaftliches-indexieren-bitte-um-mithilfe/
        Meinen Sie, dass das die Leute noch wissen oder es auf diesem Umweg finden? Oder reichen jetzt die Angaben im Spielerprofil?

        • Laura Commare sagt:

          Es ist tatsächlich so gedacht, dass persönliche Daten – sofern der Wunsch nach Beteiligung besteht – im Profil angegeben werden.

          Der Aufruf zur Beteiligung, auf den Sie sich beziehen, stand in einem anderen Kontext. Im Rahmen meiner Teil-Evaluierung des Artigo-Projekts, habe ich Spieldaten simuliert – eben weil mir keine persönlichen Daten vorgelegen sind, mit denen ich hätte arbeiten können. Wer sich also an der verlinkten Umfrage beteiligt hat, hat Artigo-Daten simuliert.

          Eine Simulation ist aber natürlich keine optimale Lösung, da sie immer unter verfälschten Bedingungen statt findet. Es ist daher sinnvoll, eine zweite Untersuchung durchzuführen, die mit im Spiel entstandenen Daten arbeitet.

          • keimelion sagt:

            Aaa, okay! Wie gesagt, ich habe es jetzt nachgeholt, meine aber, dass das von vielen so wie bei mir aus Nachlässigkeit oder Zerstreutheit einfach übersehen wird. Vielleicht wäre es nicht schlecht, irgendwo mal nur klar um diese Angaben zu bitten. Bsp.: „Um diese Angaben bitten wir, wegen einer wissenschaftlichen Begleitstudie zum normativen Verhalten bei der Tagvergabe. Für weiter Fragen… usw.“ Oder so ähnlich… 🙂 Vielleicht auch eine ausführlichere Bekanntgabe im Blog, auf die man dann auch bei Bedarf verweisen kann? Ansonsten bekommt man nur irgendwie mit, dass irgend jemand für irgend etwas ein schlechtes Gewissen hat, aber man versteht nicht so recht warum… Aus meiner Sicht liegt da überhaupt kein Anlass vor.

          • keimelion sagt:

            p.s. Im Gegenteil! Ihre Ergebnisse sollen doch zur Qualitätssicherung der Verschlagwortung helfen, wenn ich das richtig verstanden habe. 🙂

  4. Youkali sagt:

    Echt, an die Gymnasien? Ich unterrichte Englisch am Gymnasium und wollte das Spiel eh mal für den Unterricht verwenden, weil wir in der Oberstufe so viele Bildbeschreibungen machen. Bei Interesse gerne melden!

  5. Youkali sagt:

    Wie wäre es mal mit einer Facebook-Verbindung? Aus urheberrechtlichen Gründen kann man wahrscheinlich keine Bilder dort einbetten, aber aufmerksam machen sollte man auf Artigo dort schon.

    Ich habe das Spiel auch schon öfter mit Kindern gespielt, aber die können selbst nicht schnell genug tippen. Also muss man für sie tippen, und das verändert das Ergebnis schon wieder. Gute Begriffe bringen sie allemal. Vielleicht wäre das ein schönes Projekt für eine Kooperation mit einer Grundschule?

    • mat sagt:

      Eine Facebook-Präsenz ist in der Mache, ob es jedoch ein eigenes Facebook-Game geben wird, steht noch nicht fest. Das mit den Grundschulen ist ein interessanter Hinweis, in den kommenden Monaten werden wir zunächst einmal die Münchner Gymnasien besuchen, und wer weiß, vielleicht verschlägt es uns im Anschluss ja auch zu den kleinsten Schülern?

      • keimelion sagt:

        Das ist schön, mit den Gymnasien… Ich wünsche viel Erfolg! Bitte unbedingt auch die Frankophilen unter den Gymnasiasten auftreiben! 🙂

    • Hubertus Kohle sagt:

      Phantastischer Ratschlag!

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