Wie bereits an dieser Stelle berichtet wurde die Suchfunktion bei ARTigo vor einiger Zeit enorm verbessert; nun ist es unter anderem möglich, mehrere Begriffe zu kombinieren um dadurch exaktere Suchergebnisse zu erhalten. Und die Ergebnisse, die nun geliefert werden, können sich wirklich sehen lassen. Es lassen sich nämlich durch die Kombination verschiedener Suchbegriffe sehr aussagekräftige Trefferlisten generieren, die meiner Meinung nach auf verschiedenen Ebenen einige Fragen aufwerfen.
Doch zunächst entschuldige sei das folgende Bildlayout entschuldigt, ich habe eine ästhetisch anspruchsvollere Darstellungsweise auf die Schnelle leider nicht hinbekommen. Beim nächsten Mal gibt’s dann eine dieser duften Bildergalerien zum Durchklicken.
Gibt man zum Beispiel “Krieg rot Frankreich” ein, erhält man unter anderem folgende Treffer (für eine größere Ansicht Bilder anklicken):



v.o.n.u.: E. Delacroix, Die Freiheit führt das Volk an, 1830; J.A.D. Ingres, Jeanne d’Arc bei der Krönung Karls VII., 1854; J-M. Nattier, Terpischore, Muse des Tanzes, 1739; J. Trumbull, Tod des General Warren in der Schlacht bei Bunker’s Hill, 17. Juni, 1786
Bemerkenswert ist, dass bei diesen Bildern das Kriegsgeschehen mit Frankreich in Verbindung gebracht wurde. Klar, bei Delacroix und Ingres trifft dies auch zu, bei Trumbull jedoch nicht; der Maler stellt hier eine Szene des amerikanischen Unabhängigkeitskrieg dar. Aber woran liegt es, dass die ARTigo-Spieler mit diesem Bild Frankreich assoziierten? An der Darstellungsweise der Personen? An der Kleidung? Den Flaggen? Und wie passt Nattiers Muse der Tanzkunst hier ins Bild?
Jenseits des Bildmotivs sind auch folgende Treffer bemerkenswert. Hier wurde nun nach “Dreieck grün” gesucht.




P. Cornelius, Patriarchen und Propheten – Fresko im Vierungsgewölbe St. Ludwig, München, 1836/40; A. P. Clara, Ruine des Apollo-Tempels, 1824; F. Marc, Schloss Ried, 1914; W. Kent, Pebble Alcove, 1736-38
Vom “Bildinhalt” her lassen sich hier keine Parallen ziehen, anscheinend jedoch von geometrischen Grundeigenschaften der Bilder. In der Tat lassen sich in all diesen Abbildungen Dreiecke ausmachen. Ist dies vielleicht sogar ein ganz neuer Ansatz, Kunstwerke unterschiedlicher Arten miteinander zu vergleichen? Gibt es etwa Bilder, die sinnverwandt zueinander stehen und lässt sich dies mit überlappenden Charakteristika festmachen, die ARTigo-Spieler aufzeigen?
Toll sind auch folgende drei Ergebnisse. Beim ersten Bild wurde nach “Expressionismus Gotik” gesucht, beim zweiten nach “Rubens Rembrandt” und beim dritten nach “Alt Jung”.



V. van Gogh, Die Kirche von Auvers, 1890; W. Turner, Pilauts wäscht seine Hände, 1825/50; Russischer Photograph, Portrait, 1858/62
Van Gogh ist nicht, wie getaggt, der Gotik zuzuschreiben – die Kirche in Auvers-sur-Oise, die dem Künstler als Vorlage diente, stammt jedoch aus der Frühgotik. Da haben mindestens zwei ARTigo-Spieler große Architektur-Kenntnis bewiesen!
Knapp daneben lagen die Spieler jedoch bei dem mittleren Bild. Weder Rubens noch Rembrandt, sondern Turner malte dieses Werk. Nachvollziehbar bleibt dieser Lapsus aber auf jeden Fall!
Und bei Bild Nummer drei wird es fast ein bisschen unheimlich. Hat sich der hier fotografierte 108-Jährige unheimlich gut gehalten oder soll der Rauschebart den 16-Jährigen erwachsener aussehen lassen?
Was die ARTigo-Spieler bislang jedoch (noch) nicht geschafft haben, ist Wölfflins Gegensatzpaare in Einklang zu bringen. Auch in Zeiten der Wisdom of Crowds, des Taggen und Matchen von Bildern im World Wide Web und des Spielens von Browsergames bleiben die Gegensätze Linear/Malerisch, Fläche/Tiefe, Geschlossen/Offen, Vielheit/Einheit und Klarheit/Unklarheit gültig.
Fragt sich nur: Wie lange noch?