Monatsarchive: Juli 2011

Wo ist die Krone? Da ist die Krone! Ein Projekt zur automatischen Identifizierung von Bildgegenständen

Heute ist bei Spiegel Online ein interessanter Artikel über automatisches Taggen zu finden. Mittels einer in Heidelberg entwickelten Software soll es künftig möglich sein, dass ein Computer Bilder automatisch mit Schlagworten versieht – und diese auch noch zielstrebig innerhalb des Bildes den entsprechenden Objekten oder ähnlichem zuordnen kann. Dass also, so das Beispiel im Artikel, auf „Bildern aus dem Mittelalter“ etwa Kronen identifiziert und verschlagwortet würden.

Auch ohne viel über das ehrgeizige Projekt an sich zu wissen lässt sich meiner Meinung nach die vorrangige Problemstellung schnell ermitteln: Denn Krone ist nicht gleich Diadem ist nicht gleich Tiara. Soll heißen: Selbst so etwas relativ spezifisches wie eine mittelalterliche Kopfzierde kann in unterschiedlichsten Ausführungen vorkommen und – was die Sache noch komplizierter macht – vielfältig konnotiert sein.  Der Papst wagt sich nunmal nur sehr selten mit einer juwelenbesetzten Krone auf den Petersplatz. Und mit einer Giebelhaube auf dem Haupt sieht man ihn, wenn überhaupt, nur sonntags beim Bäcker.

Diese Problemstellung, dass es dem Computer nach wie vor extrem schwer fällt, Daten zu „interpretieren“, ist letzlich auch der Grund, warum wir für die Verschlagwortung von Bildern auf die Hilfe von ARTigo-Spielern angewiesen sind. Wir sind zwar mittlerweile soweit, dass wir auch Spiele „simulieren“ können – also dass wir bereits gespielte Partien aufzeichnen und dann zwei „alte“ Spielpartien neu gegeneinander antreten lassen können, damit sich eventuell noch mehr Matches ergeben – die Datengrundlage für solche Aktionen liefern aber nach wie vor die fleißigen Spieler. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Denn bis es soweit ist, dass durch einen abgefahrenen Algorithmus Bildinhalte fehlerfrei identifiziert und verschlagwortet werden können, werden sicherlich noch einige Stunden ARTigo-Spielen ins Land ziehen.

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Aviso berichtet über ARTigo

Auf sechs Seiten berichtet das Magazin Aviso des Bayerischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst über ARTigo. Aviso erscheint viermal im Jahr und ist auch online verfügbar.

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ARTigo erster Treffen unter 120 Millionen auf Google

Der Name ARTigo für unsere Spielplattform hatte einen Nachteil: Er wird für Vieles verwendet, was das Finden unserer Spielplattform erschwert hat. Nun hat sich der Nachteil in einen Vorteil gewandelt: Unter den 120 Millionen Treffern für „artigo“ auf Google steht ARTigo an erster Stelle, was der Spielplattform eine hohen Status verleiht. Die Spielplattform ARTigo hat derzeit einen PageRank von 5 (von 10), was für eine nicht-offizielle Web-Seite sehr gut ist. Nun können wir beobachten, wie schnell ARTigo einen PageRank von 6 erreicht! Ich wette innerhalb von zwei Jahren!

François Bry

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Stellen Sie sich vor, Sie drücken auf den „gefällt mir“-Button und Facebook fragt ‚Warum?‘. Ein Rückblick auf die Fachtagung „Serious Games: Digitale (Lern-)Spiele in der pädagogischen Praxis“ in Dresden. Teil I

Der Veranstalter der Tagung war das Medienkulturzentrum Dresden in Kooperation mit der GMK-Fachgruppe Games. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch AMD Changing the Game. Eine schöne Zusammenfassung der Tagung findet sich auf der Spiele-Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung.
Ich werde demnach hier nicht den Ablauf der Tagung wiedergeben, sondern auf interessante Details eingehen, die speziell für ARTigo interessant sind. Und zwar in jeweils eigenen Teilberichten – um das ganze etwas zu entzerren. Los geht’s mit Teil 1:

Jens Wiebken (byte42 : Medienpädagogik-Blog um heutige Medien) thematisierte in seinem Vortrag unter anderem die Reflexionsproblematik unserer Zeit. In einem Umfeld in dem es genügt Zustimmung durch einen Kopfdruck auszudrücken, ohne diese weiter thematisieren zu müssen wird eine ausführliche Reflexion des eigenen Tuns oder Empfindens unnötig.

In diesem Kontext fällt auch der Satz: Stellen Sie sich vor, Sie drücken auf „gefällt mir“ und Facebook fragt „Warum eigentlich?“.
Es ist klar, dass hier dies bei den meisten von uns ein Irritationsmoment hervorrufen würde. Nicht nur, weil wir damit nicht gerechnet haben, sondern auch deswegen, weil wir gezwungen werden unsere Zustimmung zu reflektieren. Es ist also nicht nur ungewohnt, sondern auch unbequem die eigenen Aktionen konkret zu hinterfragen.

Daran anschließend wird natürlich die Frage aufgeworfen: Wie viel Reflexion darf ein Computerspiel fordern oder Voraussetzen um zu „funktionieren“ – um den Teilnehmern Spaß zu machen?
Während sogenannte „Adventure Games“ verhältnismäßig viel Mitdenken erfordern, funktionieren „Jump and Run-Games“ auf Reaktionsbasis (wenn man mir den Ausdruck verzeihen möchte). Ob eines der Spielgenres jetzt tatsächlich einen höheren Spaßgehalt hat als das Andere, finde ich schwer zu bewerten. Ich halte das für eine sehr persönliche Entscheidung.
Da aber beide Spielarten sich einer großen „Fangemeinde“ erfreuen, kann man wohl davon ausgehen, dass ein gewisses Maß an Reflexion im Spiel dem Spielspaß keinen Abbruch tut.

Das ist natürlich für ARTigo eine gute Nachricht. Immerhin überlegen wir alle uns beim Spielen welche Begriffe sinnvoll sind, um ein Bild zu beschreiben – bzw. welche Begriffe der Mitspieler wohl als sinnvoll bewerten würde. Fraglich ist natürlich wie stark wir beim ARTigo spielen tatsächlich bewusst reflektieren. Ich kann für mich sagen, dass ich oft ohne spezielle Vorabüberlegungen tippe. Wie sieht es bei euch aus – ist ARTigo ein Spiel, das viel Reflexion erfordert?

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Technische Schlamperei

Wie einigen von euch sicherlich aufgefallen ist (obwohl ich doch fest an den „Lottogewinn“ glaube), hatten wir seit einiger Zeit einen Fehler in Karido, der bei fast allen gespielten Runden zu einem Absturz geführt hat. Der Fehler (eine einzige fehlende triviale Codezeile) ist durch meine Schlamperei entstanden und durch unzureichende Tests meinerseits nicht aufgefallen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich entschuldigen. Wir werden uns alle Mühe geben, solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Sollte es aber dennoch noch einmal vorkommen, dass wir einen Fehler übersehen, würden wir uns enorm über jede Email freuen, die uns darauf aufmerksam macht. Dafür schonmal im Voraus besten Dank.

Bartl

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Blogger Sascha Lobo über Twitter und Museen

Heute soll über ein Kurzinterview des deutschen Vorzeige-Bloggers Sascha Lobo berichtet werden. Denn vor einiger Zeit gab der Berliner mit der adretten Irokesen-Frisur der „art“ ein interessantes Kurzinterview: „Sascha Lobo, warum twittert ein Museum?“, wird der 35-Jährige hier gefragt.
Natürlich weist er darauf hin, dass Twitter die perfekte Möglichkeit ist, innherhalb kürzester Zeit eine große Menge potentieller Museumsbesucher zu erreichen – auch wenn die Kurzmitteilungsplattform natürlich keine Garantie sei, die Follower in Scharen in die Institutionen zu locken.
Interessant finde ich jedoch folgende Aussage von Lobo:

„Twitter ist der digitale Strom des Erlebens, in dem einzelne Botschaften nach Minuten veraltet und nach Stunden kaum mehr auffindbar sind. Ein Museum dagegen hat den Anspruch über den Moment hinaus ein Stück Kultur festzuhalten.“

Natürlich hat der Kultblogger recht. Und dennoch, so finde ich, ist die schnelllebige Internetkultur zumindest ansatzweise mit der eher trägen Museumslandschaft wesensverwandt: Zeitlich begrenze Ausstellungen etwa sind, nun ja, nur zeitlich begrenzt zu sehen. Danach sind die Exponate oft weg, weitergezogen, eingelagert, oder, im Falle einer Retrospektive, anschließend meist wieder über den Globus verteilt. Und mal abgesehen von den großen Meisterwerken wandert, überspitzt formuliert, früher oder später eh alles mal ins staubige Archiv. Wer also nicht zur rechten Zeit am rechten Ort ist, der verpasst was – ähnliches passiert tagtäglich im Zwitscher-Mahlstrom.
Gleichzeitig finden wirklich herausragende Tweets, wie etwa vor einiger Zeit die von Regierungssprecher Steffen Seibert, Einzug in die Annalen des Online-Journalismus und werden somit zumindest für begrenzte Zeit konserviert (hier präsentiert die „Welt“ fünf berühmte Tweets).

Wie ist das nun zu beurteilen? Haben Museen und sonstige Ausstellungsräume zumindest ansatzweise mehr mit der Generation Twitter gemein als zunächst zu vermuten ist? Sicherlich ist ein bestimmtes Kunstwerk nicht bereits nach Stunden verschwunden, aber immerhin doch oftmals nach einiger Zeit nicht mehr am vorherigen Ort aufzuspüren. Und gleichzeitig vergisst doch das Internet sowieso nichts, Informationen, sei es auch nur ein Tweet, sind doch, wenn nicht bis in alle Ewigkeit, immerhin ziemlich lange aufspürbar. Die oft beschworene Diskrepanz zwischen schnelllebigem Internet-Lifestyle und der analogen Behäbigkeit, die auch ein Museum oftmals vermittelt, ist also gar nicht so groß. Oder wie seht ihr das?

Übrigens: Das Münchner Kartoffelmuseum geht dieser Thematik elegant aus dem Weg. Es ist nach eigener Aussage das weltweit einzige Museum, das sich der Kartoffel ausschließlich in kunst- und kunsthistorischer Hinsicht widmet. What happens in the Kartoffelmusem, stays in the Kartoffelmuseum…

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