Monatsarchive: August 2011

Bayern 2-Attacke auf ARTigo

Der Bayerische Rundfunk hat heute morgen ein sehr schönes Portrait von ARTigo gesendet. Im Interview erläuterte Prof. Dr. Hubertus Kohle die „ernsten“ Hintergründe des Projekts. Die Reaktion auf die Ausstrahlung kam prompt: Hunderte Hörer wollten sofort wissen, was sich hinter dem Projekt verbirgt und haben unsere Server auf die Probe gestellt. Zwischenzeitlich war der Seitenaufbau ein wenig verzögert, inzwischen sind wir aber wieder Herr der Lage.

Die Interview ist in der BR-Mediathek online unter:
http://www.br-online.de/bayern2/kulturwelt/artigo-institut-fuer-kunstgeschichte-digital-ID1314339972662.xml

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Worte und Bilder? Bilder und Bilder!

Wir haben euch vor einigen Tagen das TinEye Projekt vorgestellt. Der Eine oder Andere mag es inzwischen getestet und als nützlich empfunden haben. Oder als ärgerlich. TinEye ist eine Suchmaschine, die nach rein objektiven, das heißt mathematischen Kriterien sucht. Es kann hierbei leicht geschehen, dass dem Nutzer Bilder als ähnlich angeboten werden, die nach semantischen Kriterien überhaupt nicht ähnlich sind. Ähnliches zeigt sich bei einer Studie von Gerhard Nauta. Nauta hat ein Modell entwickelt, bei dem die Studienteilnehmer Bilder nicht mit Worten, sondern mit Icons taggen. Wird ein Icon mehrfach für zwei unterschiedliche Bilder vergeben, lässt sich daraus ableiten, dass diese sich formal ähnlich sind. Nauta konnte so erfolgreich ermitteln, dass die beiden Folgenden Bilder eine starke formale Korrelation aufweisen:


Aus einer praktischen Perspektive heraus (wie auch im Falle der TinEye-Suchmaschine) ist ein solches Ergebnis natürlich ärgerlich. Wir dürften uns alle einig darüber sein, dass die beiden Abbildungen zwar die erwarteten formalen Ähnlichkeiten aufweisen, diese jedoch für eine ikonographisch/ inhaltlich relevante Analyse nicht weiter von Bedeutung sind. Aus einer theoretischen Perspektive ist dieser Zusammenhang allerdings höchst relevant. Warum? Nun – visualisiert ein Mal, welche Art von Automatisierungsprozessen denkbar wären, wenn die Datengrundlage auf interessierende Objekte eingeschränkt würde! Der Computer wäre in der Lage aus einem Pool von Bildern eine Vorauswahl hinsichtlich bestimmter Gemeinsamkeiten zu treffen – Farb- und Formaspekte betreffend. Farb- und Formaspekte – um kurz darauf hinzuweisen – könnten in verschriftlichter Form niemals mit einer ähnlichen mathematischen Korrektheit analysiert werden. Demnach stellt das IconTagging eine interessante Ergänzung zum „normalen“ Social Tagging dar.

 

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Falsche Freunde kann niemand trennen

Es ist schon erstaunlich, wie akkurat oftmals sogar das winzigste Detail eines Bildes von den ARTigo-Spielern beschrieben wird. Darüber freuen wir uns natürlich sehr, schließlich ist es ja eines unserer Ziele möglichst viele detaillierte Beschreibungen zu den Abbildungen zu erhalten. Dass jedoch unter eingegebenen Begriffen ein paar falsche Tags und Matches dabei sind, ist bei der riesigen Menge an bereits eingetippten Begriffen verständlich.

Diese falschen Beschreibungen sind jedoch ziemlich interessant. Zeigen sie doch beispielsweise auf, wo große Verwechslungsgefahr besteht, wie etwa in diesem Beispiel:

Der Künstler dieses schmucken Gemäldes heißt Claude Lorrain, und nicht, wie von mindestens zwei Spielern vermutet, Tizian. Knapp daneben!

Ebenfalls ihren Urhebern falsch zugerechnet wurde folgende Bilder:

Ersteres ist kein Werk von Pablo Picasso, sondern von Franz Marc. Und letzteres sieht tatsächlich so aus, als entstammte es dem Pinsel van Goghs. Gemalt hat dieses Gemälde jedoch der Schweizer Giovanni Giacometti.

Knapp 450 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Stadt, die hier aus der Vogelperspektive dargestellt wird, und dem von den Spielern vermuteten München:

Wie der geneigte Städtekundler natürlich sofort erkennt, handelt es sich hierbei um Köln.

Es kommt auch immer wieder mal vor, das historische und religiöse Persönlichkeiten verwechselt werden. Das Bild zeigt bedauerlicherweise leider nicht Jesus Christus.


Zu sehen ist vielmehr der immermüde Endymion.

Meiner Meinung haben solche falschen Tags für die Wissenschaft Vor- und Nachteile. Negativ daran ist, ganz klar, die Gefahr, dass später einmal in unserer Datenbank falsche Informationen zu finden sind. Eine der großen Herausforderungen an einem Projekt wie ARTigo ist es daher, sich Mechanismen einfallen zu lassen, die solche Fehlinformationen herausfiltern.
Interessant an diesen falschen Eingaben jedoch, wie es denn zu solchen Verwechslungen kommen konnte. Bekommt etwa ein Gemälde von einem ARTigo-Spieler einen falschen Urheber verpasst, stellt sich die Frage, warum dies so ist. Sind die Künstler der selben Epoche zuzurechnen? Handelt es sich um Lehrer und Schüler? Bediente sich der eine Künstler an den Motiven des anderen? Deuten einige Details der Bilder auf einen anderen Künstler hin? Vielleicht ist es ja sogar möglich, Parallelen zwischen Künstlern zu entdecken, die bislang noch nicht ersichtlich waren?

Großartig sind übrigens solche Schmuckstücke wie dieses hier:

Denn eines der Tags dieser Kinderheimkarte von Thomas John Barnardo lautet: Napoleon.

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TinEye.

Artigo produziert Schlagworte, die anschließend im Rahmen einer Suchfunktion praktisch Anwendung finden. Es gibt eine Menge Gründe dafür, Bilder anhand von Worten zu suchen – es gibt aber auch Gründe dafür, Bilder anhand von Bildern zu suchen. Geht nicht? Gibt’s nicht! Sehen Sie selbst.

TinEye ist eine Suchmaschine die Ihr mit einem Bild füttern könnt und die Euch anschließend alle nach mathematischen Kriterien ähnlichen bzw. übereinstimmenden Abbildungen des Internet-Bilderfundus präsentiert (zumindest diejenigen Abbildungen, die adressiert werden können). Selbstverständlich findet Iht auf diese Weise Bilder die dem sehr ähnlich sind welches ihr gesucht habt. Gänzlich neues werdet ihr also auf diese Art nicht finden. Warum es trotzdem Sinn macht eine solche Suchmasche nutzen?
Hier sind vier gute Gründe:

1) Ihr habt ein Bild, aber keine Quelle.
2) Ihr habt ein Bild und wollt wissen: Wer hat es wann gemalt?
3) Ihr habt nur einen Bildausschnitt und würdet gern wissen wie das gesamte Bild aussieht?
4). Ihr seid mit der Qualität eures Bildes nich zufrieden und sucht nach demselben Bild in besserer Qualität.

TinEye ist nicht die einzige Suchmaschine dieser Art, ähnliche Angebote haben zum Beispiel auch Gazopa und Revmig.

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Toate lumea poate ARTigo

Zugegeben, rumänische Muttersprachler werden über den windigen Google-Übersetzungsversuch in der Überschrift nur müde lächeln können, und dennoch eignen sich diese paar vermutlich lose aneinandergereihten Fremdwörter ganz gut, um auf Folgendes aufmerksam machen:

Die ADZ, bekannterweise steht das für die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“, hat jüngst einen kurzen Artikel über ARTigo veröffentlicht. Uns alle hat das natürlich sehr gefreut, auch wenn wir ein bisschen überrascht waren, dass unser Spiel länderübergreifend auf positive Resonanz stößt! Vielleicht ist das ja auch nur der Anfang zu einer wahren Flut von weltweiter Berichterstattung über ARTigo. Wer weiß, vielleicht erfahren nicht nur die Bürger Rumäniens, sondern auch geografisch noch entferntere Zeitungsleser etwas über unser Projekt? Dass auch auf St. Vincent und den Grenadinen ARTigo gespielt wird hatten wir ja schon länger vermutet!

Unglücklicherweise ist unser 50-köpfiges Medienveröffentlichungs-Rechercheteam momentan vollends damit beschäftigt, Tageszeitungen aus Nordtexas und Südidaho nach ARTigo-Artikeln zu  durchforsten. Über sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung über Veröffentlichungen rund um den Globus würden wir uns daher sehr freuen 🙂

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Dringend gesucht: „Mood-Matches“ bei ARTigo

Dass Schlagwort nicht gleich Schlagwort ist, weiß jeder, der schon mal versucht hat, mit Begriffen wie „Onomatopoesie“ oder „Inkompetenzkompensationskompetenz“ bei ARTigo Punkte zu erspielen. Will man in der Rangliste weiter nach oben kommen, gibt es verschiedene Taktiken beim Spielen, zum Beispiel:

1. Man sieht sich das Bild an und versucht, möglichst charakteristische Begriffe einzugeben, in der Hoffnung, dass der Mitspieler dieselben Bildmerkmale im Blick hat. Der Vorteil: Hier werden genau jene Begriffe eingegeben, die das Bild sehr gut beschreiben.
2. Man gibt in Warp-Geschwindigkeit sämtliche Begriffe ein, die auch nur ansatzweise etwas mit dem Bild zu tun haben, um eine große Bandbreite an potentiellen Matches abzudecken. Der Vorteil: Auf diese Weise können sehr viele Matches zustandekommen.

Beides sind probate Mittel, um schnell viele Punkte zu erspielen. Das geht mit der Verwendung von komplizierter Fachterminologie natürlich schwieriger. Aber die ist uns ja auch (nicht ganz so) wichtig.

Wonach wir trachten, uns, ach, sehnen und verzehren, das sind Wörter, die Stimmungen und Gefühle einfangen, die sich also nicht auf die rein deskriptive Ebene beschränken. Wörter wie „fröhlich“, „ernst“, „leidenschaftlich“, „düster“, „liebevoll“ etc. versehen unsere Bilder in der Datenbank mit enorm wertvollen Beschreibungen. Denn auch wenn eventuell Bildinhalte künftig automatisiert getaggt werden können sind das die Wörter, die uns letzlich nur ein Mensch liefern kann. Und das Gute daran: Sie sind im Prinzip genauso leicht einzugeben wie lediglich den Bildinhalt beschreibende Begriffe.

Betrachten wir ein paar Beispiele:

li.: Abram Archipow, Wäscherinnen, 1893; re.: Paul Delaroche, Napoleon I., 1845

Betrachtet man die eingegeben Tags zu diesen Bildern, dann gibt es ein paar Matches, die übereinstimmen, wie etwa „Licht“, „sitzen“, „rot“, „weiss“.
Interessanter ist jedoch folgende Übereinstimmung: „müde“. Ein Begriff, der, wie ich finde, beide Bilder ziemlich gut charakterisiert, ohne groß etwas über den Bildinhalt auszusagen.

Ein weiteres Beispiel:

li.: William Blake, Hekate, 1795; re.: Franz von Stuck, Luzifer, 1889/91

Das gemeinsame „Mood-Match“: gruselig.

Tatsächlich macht es Spaß, in der ARTigo-Suchleiste stimmungscharakterisierende Wörter einzugeben und zu erfahren, welche Bilder mit diesem Begriff gematcht wurden.
Weitere Beispiele wären etwa:

Für uns sind wie gesagt solche „Mood-Matches“ äußerst interessant; zeigen sie doch auf, wie unsere Spieler respektive der gegenwärtige Zeitgeist Bilder „erfühlt“. Und auch wenn es zu keinen Übereinstimmungen kommt, wenn also aus den eingebenen Tags keine Matches entstehen, kann das wichtig sein: Warum etwa empfindet der eine Spieler beim Betrachten des Bildes „Unbehagen“, während der andere das Bild mit „gemütlich“ verschlagwortet?

Außerdem ist es doch ein nicht zu verachtendes Erfolgserlebnis, wenn das, was man beim Anblick eines Bildes fühlt, gematcht wird – bedeutet dies doch, dass zumindest eine weitere Person das Gleiche empfindet 🙂

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