Monatsarchive: April 2013

Die dunklen Seiten des crowdsourcing

Beim Durchforsten einiger Bilder samt zugehöriger Annotationen habe ich zuletzt eine eingermaßen unschöne Entdeckung gemacht. Manche der vor allem frühneuzeitlichen Bilder aus höfischem Kontext, in denen schwarze Diener oder auch Sklaven dargestellt waren, hatten einige unserer Mitspieler mit dem Begriff „Neger“ getaggt. Es dürfte unbestritten sein, dass dies ein heute vollkommen unmöglicher, weil rassistischer Sprachgebrauch ist. Ich bin mir auch sicher, dass dieses jedem einzelnen, der den Begriff getaggt hat, bewusst ist, und dass er/sie im alltäglichen Sprachgebrauch  sich des Begriffs niemals bedienen würde. Beim Taggen von Bildern scheint das etwas anderes zu sein: Wenn man Punkte machen kann, gibt es keine sprachliche Zurückhaltung, außerdem fühlt man sich vielleicht auch geschützt vom Deckmantel der Anonymität. Was tun? Sollen wir die tags löschen? Durch andere ersetzen? Unsichtbar machen? Sie erinnern sich sicherlich an die Diskussion zu dem Kinderbuchautor Ottfried Preußler, die noch gar nicht so lange zurückliegt. Der hatte das Wort „Neger“ so verwandt, wie das bei seinen Zeitgenossen üblich war. Und was machen wir, wenn wir aus seinen schönen Geschichten unseren Kindern vorlesen? Auch in diesem Fall gar nicht so einfach zu entscheiden. Bei uns prallen Dokumentationsbedürfnisse einerseits, andererseits aber das Bestreben, einen tendenziell rassistischen Sprachgebrauch zu verhindern, aufeinander. Ich bin auf Ihr Urteil gespannt.

Veröffentlicht unter ARTigo | 6 Kommentare