Weil Frauen nicht einparken können und Männer nicht zuhören? – Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Tag-Vergabe.

Wie wir euch ja schon versprochen haben, gibt’s jetzt hier einige Ergebnisse aus der ominösen Magisterarbeit zum Thema „Social Tagging in der Kunstgeschichte“. Die Magisterarbeit dreht sich mehr oder weniger um ARTigo – und untersucht verschiedene Einflussfaktoren auf das Tag-Eingabeverhalten. Diese Woche: Geschlechterunterschiede.

Dazu sollten wir ein wenig ausholen. Beginnen wir mit einem Stereotyp: Sekretärinnen, Empfangsdamen, Telefonistinnen – meistens Frauen. Mir stellt sich da – besonders weil ich selbst Frau bin – die Frage, ob es es dafür eigentlich einen Grund gibt? Einen, der nicht auf besonders tiefsinnige Vorurteile rekurriert oder schlimmer noch Ausdruck einer Art institutionalisierten Diskriminierung ist? Wir wollen uns an dieser Frage natürlich nicht verzetteln, da hier ein ganz anderes Fass aufgemacht wird. Trotzdem sollte vielleicht festgehalten werden, dass Frauen nachweislich ein anderes Vokabular für ein und denselben Sachverhalt verwenden als Männer. Was das jetzt speziell über eine eventuelle besondere Eignung für bestimmte Berufssparten aussagt, sei mal dahingestellt. Interessant ist jedoch, dass all diese Berufe in besonderem Maße Fähigkeiten in den Bereichen Ausdruck und Sprachgewandtheit erfordern. Das bedeutet natürlich nicht, dass Männern Fähigkeiten in diesem Bereich abgesprochen werden sollten. Dieses Beispiel sollte euch nur für die Idee sensibilisieren, dass der divergierende Sprachgebrauch von Frauen und Männern tatsächlich praktische Konsequenzen haben kann.

Für die speziellen Belange der Artigo-Spieler hat dieses Prinzip nämlich ebenso praktische Konsequenzen. Auch im Rahmen des Spiels werden von Männern und Frauen unterschiedliche Begriffe zur Bildbeschreibung verwendet. Zwar sind beide Geschlechter gleich innovativ – d.h. sie vergeben im Durchschnitt gleich viele noch nicht genannte Tags – allerdings stimmen die jeweils genannten Worte nur zu 1/3 mit denen des anderen Geschlecht überein. Das bedeutet, dass 2/3 aller Eingaben, die zwei Spieler unterschiedlichen Geschlechts in einer Partie machen, potenziell nicht gematcht werden.

Interessant ist das allemal – die Frage ist nun nur: Macht das einen Spielpartner des anderen Geschlechts zu einem schwierigeren oder einem interessanteren Mitspieler?

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7 Antworten auf Weil Frauen nicht einparken können und Männer nicht zuhören? – Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Tag-Vergabe.

  1. keimelion sagt:

    Der heutigen Versuchung (Ernst Ludwig Kirchner auf der ersten Seite) konnte ich nicht widerstehen und habe auf das große Wort „Männer“ in der Reihe der vergebenen Tags geklickt. Das ist ja ein Galerie, die sich da eröffnet! 😀 Männer im Boot, Männer am Tisch, Männer in Schlössern, Männer in Uniform, Männer kämpfend, Männer leidend… ganze dreizehn Seiten Bilder mit gemalten Männern! Gut, es stimmt, oft sind sie in Begleitung. Unter „Frauen“ habe ich noch nicht nachgesehen, werde das aber gleich nachholen!

    • Laura Commare sagt:

      Einer Männer-Frauen-Unterschied, der mit der Untersuchung natürlich nicht abgedeckt ist, aber trotzdem Spaß macht. Da kann ich nur zustimmen! 😉

  2. keimelion sagt:

    Beides ist schön und beides kann auf Dauer langweilig werden. Viele Begriffe zu treffen, d.h. mit Gleichgeschlechtlichen zu spielen, ist schön. Kaum Begriffe zu treffen, ist auch schön, weil ich manchmal auch nur allein spielen will. Aber ich bin nicht sehr konstant und deshalb langweile ich mich auch nie. Jedes Mal, wenn ich alleine spielen will, treffe ich Mitspieler, die alle Begriffe erraten. Wenn ich spiele, um Wörter zu treffen, sind alle Mitspieler wohl des anderen Geschlechts, wie Sie herausgefunden haben, da. Sind Spieler eigentlich unabhängig vom Geschlecht gleich launisch? Ich habe nämlich diesen Verdacht… 🙂

    • Laura Commare sagt:

      Es handelt sich bei der Studie leider nur um eine Querschnittserhebung, d. h. ich konnte nicht feststellen wie sich die Personen im Zeitverlauf verhalten. Also ob die Personen jeweils zu jedem Bild und in jeder Situation geschlechterspezifische Unterschiede aufweisen geht aus meiner Untersuchung nicht hervor.
      Allerdings wäre es durchaus interessant zu sehen, ob die Ergebnisse sich auch in einem Paneldesign, also einer Messung mit den identischen Personen zu mehreren Zeitpunkten, konstant verhalten.
      Bleibt der Unterschied vorhanden, könnte man schließen, dass „launisches“ Verhalten bei der Auswahl der Tags (wenn es denn flächendeckend vorhanden ist) trotz allem geschlechterspezifisch geschieht. Verschwindet der Unterschied, wäre das der Beleg dafür, dass mein Ergebnis auf Grund eines Zufalls zustande gekommen ist.
      Von daher haben Sie mit ihrer Frage genau den Schwachpunkt der Ergebnisse getroffen.

      • keimelion sagt:

        Ich bezweifele, dass der geschlechterspezifische Unterschied verschwinden würde. Vielmehr glaube ich, dass er in seiner ganzen Dimension, mit all seinen Schwankungen, Höhen und Tiefen zutage treten würde. Nicht auszuschließen, dass sich bei einer grafischen Darstellung in manchen Punkten die Variablen dann überschneiden…

        • Laura Commare sagt:

          Ich würde tendenziell auch nicht davon ausgehen, dass der Unterschied verschwindet – könnte mir aber gut Vorstellen, dass diverse Drittvariablen einen großen Einfluss haben, der dann erst deutlich zu Tage tritt. Wie etwa das Bildthema bzw. der Bildinhalt, der Bildungshintergrund oder auch das Alter. Die Liste ließe sich natürlich weiterführen.
          Speziell zum Alter gibt es durchaus interessante Überlegungen – die im Übrigen ganz bald hier auch zu lesen sind. 🙂

          • keimelion sagt:

            Interessant, etwas über Altersunterschiede zu lesen! Langsam wird sich das Bild vervollständigen… Treffen sich wirklich in einem Tag jemals eine junge, kunstsinnige Frau und ein alter, belesener Mann? 🙂

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