Radiointerview mit Prof. Kohle über ARTigo

Heute morgen war auf dem „rbb Kulturradio“ ein Interview mit Prof. Dr. Hubertus Kohle über unser ARTigo zu hören. Wer um kurz nach 9 Uhr aus unerfindlichen Gründen nicht Radio gehört hat, der kann sich den Mitschnitt hier anhören bzw. runterladen (ca. 6 min.).

Einige Kernaussagen möchten wir euch im Blog nicht vorenthalten. Interviewt wurde Prof. Kohle vom rbb-Moderator Frank Schmid. Die Fragen und Antworten haben wir sinngemäß zusammengefasst.

Frank Schmid: „Was passiert denn mit den eingetippten Schlagwörtern bei ARTigo?“
Hubertus Kohle: „Die Wörter werden gespeichert und können dann für die Bildsuche verwendet werden. Das ist die eigentliche Zielsetzung des Spiels.“

FS: „Warum werden zwei einander unbekannte Spieler zusammengeschaltet?“
HK: „Es ist wichtig, dass die Spieler sich nicht kennen. Das dient als Kontrollmechanismus, damit kein Quatsch eingegeben wird. Wenn aber zwei Spieler, die sich nicht kennen, das selbe Wort eingeben, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses Wort etwas mit dem gezeigten Bild zu tun hat.“

FS: „Was passiert genau, wenn zwei Spieler dasselbe Wort eingeben?“
HK: „Der Begriff wird dann als ‚match‘ in der Datenbank verzeichnet und dem entsprechenden Bild zugeordnet. Diese Wörter können dann zur Bildersuche verwendet werden, genau wie alle anderen Begriffe, die bereits gematcht worden sind.“

FS: „Was soll mit dieser Schlagwortdatenbank erreicht werden?“
HK: „Insbesondere in der kunsthistorischen Lehre arbeiten wir viel mit Reproduktionen von Kunstwerken. Dafür gibt es riesige Bilddatenbanken mit zum Teil Millionen von Bildern. Und diese müssen auch wieder gefunden werden können. Deshalb werden die Bilder verschlagwortet. Es gibt natürlich Profis, die das machen. Und das ist auch wichtig. Wir versuchen das jetzt eben mit der ‚Wisdom of Crowds‘, also mit der ‚Weisheit der Vielen‘. Unser primäres Ziel ist es, dass man die eingegebenen Begriffe auf unserer Homepage für die Suche in der Bilddatenbank verwenden kann.“

FS: „Was hat man als Spieler außerhalb des Spaßfaktors von ARTigo?“
HK: „Am Ende jeder Spielrunde werden zu den Bildern noch Angaben zum Künstler, der Titel oder die Datierung angezeigt. Wir denken, dass das einen großen psychologischen Effekt hat: Wenn man vorher mit einem Bild begrifflich gearbeitet hat und im Anschluss die historische Einordnung präsentiert bekommt, memoriert man dieses Wissen besser. Das ist zum Beispiel für Studenten der Kunstgeschichte wichtig, da sie über eine gewisse Denkmälerkenntnis verfügen müssen.“

FS: „ARTigo ist ein Gemeinschaftsprojekt von Kunsthistorikern, Sprachwissenschaftlern und Computerspezialisten. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit?“
HK: „Die Geisteswissenschaften haben sich schon immer von den Technik- und Naturwissenschaften abgegrenzt. Das hat natürlich Gründe, die auch richtig sind. Ich glaube aber, dass die Geisteswissenschaften davon profitieren können, wenn es wieder zu einer Annäherung zu den anderen Wissenschaften kommt. Diese Zusammenarbeit ist ein neuer Bereich, der künftig ungeheuer wichtig werden wird.“

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9 Antworten auf Radiointerview mit Prof. Kohle über ARTigo

  1. keimelion sagt:

    Diese vielen gestochenen Männerporträts haben mir am Anfang auch irritiert. Nachher habe ich festgestellt, dass die fast alle um die gleiche Zeit entstanden sind (16. Jahrhundert), und dass darunter viele Reformatoren oder Sympathisanten der Reformation sind. Sicher, im Prinzip wusste ich schon, dass der Buchdruck und die Druckgraphik usw. usf. (das, was man halt immer in historischen Überblicken zu lesen bekommt) die reformatorische Bewegung gefördert haben. Aber so genau habe ich mir das nie vorstellen können. Es sind da auch eine Menge Zeitungen und Flugschriften aus der Zeit mit sehr religiös gehaltenen Illustrationen. Ich glaube, da hat die katholische Seite mit dem gleichen Medium zurückgeschlagen. Auf jeden Fall, ich finde es jetzt spannend, diese Porträts zu betrachten (auch wenn ich sie mir leider nicht merken kann), meistens Theologen und Gelehrte oder Fürsten und kann mir gut vorstellen, dass sie in einem Teil der Öffentlichkeit sehr gut aufgenommen wurden. Der andere Teil wird wohl davon nicht so begeistert gewesen sein. Diese Fülle an Druckgraphik hat mir aber den Glaubenskrieg, unter den ich mir kaum etwas vorstellen konnte, sehr anschaulich gemacht. Mit diesem Medium Bild wurde ja ein wahrer Krieg ausgetragen, wenn ich das richtig sehe. Wäre interessant, zu wissen, wo sich diese graphische Sammlung eigentlich befindet? Sie ist ein richtiger Schatz, obwohl die Gesichter für heutige Verhältnisse nicht unbedingt attraktiv sind… 🙂

  2. Youkali sagt:

    Das Spiel macht großen Spaß, aber gerade wenn man Spieler immer wieder auf die Seite locken wollte, sollte man daran denken, die Bilder-Datenbanken immer wieder zu ändern bzw andere Sammlungen herzunehmen. Denn bärtige Männer aus dem 16. Jahrhundert mit Barett in einem Rahmen werden nach kurzer Zeit ziemlich lästig, und wenn ich befürchten muss, dass sie in jeder Artigo-Fünfergruppe dabei sind, bin ich es irgendwann leid.

    Wie ist das eigentlich mit den blauen und den fett gedruckten Wörtern? Sind die blauen die, die man mit dem Mitspieler gemeinsam hat, oder die fett gedruckten?

    • Bartl sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis. Die Häufung von bärtigen Männern liegt in der Bildauswahl des Spiels begründet: Das Spiel versucht die angezeigten Bilder so auszuwählen, dass diese so ähnlich wie möglich sind (auf Basis der vergebenen Tags). Das hat zur Folge, dass die Spieler neue Begriffe finden und die Bilder genauer beschreiben müssen.

      Allerdings gebe ich dir völlig recht, dass die Runden voller alter Männer in Schwarz/Weiß wenig Spaß machen. Wir überlegen noch, wie wir die Schwierigkeit des Spiels angemessen gestalten können, ohne das grundsätzliche Prinzip zu verwässern. Für Vorschläge sind wir auf jeden Fall immer dankbar!

      • Bartl sagt:

        Noch ein Nachtrag: Ich habe deinen Kommentar falsch verstanden 🙂 Ich dachte du beziehst dich auf das Memoriaspiel. Meine Antwort gilt nur dafür.
        Eventuell könnte man die Bilder in der Datenbank nach Attraktivität ordnen. Vielleicht eine neue Spielidee?

      • Youkali sagt:

        Ich habe ja gar nichts gegen bärtige Männer (obwohl man schon ins Grübeln darüber kommt, wie sehr Bärte offensichtlich aus der Mode gekommen sind) – es sind die andauernden Reformatoren mit ihren immergleichen passfotoähnlichen Bildern, die etwas lästig werden. Im Memoria-Spiel ergeben sie durchaus sinn – da muss man aber auch nicht dauernd „Bart“ eingeben, sondern nach Details suchen, die die Herren voneinander unterscheiden.

        Es ist erstaunlich wenig Mittelalter zu sehen, wie kommt das?

        • Hubertus Kohle sagt:

          Zu den vielen bärtigen Männern habe ich eben einen Artikel geschrieben. Immer neue Bildbestände einzuführen, ist technisch schlecht möglich – mal abgesehen davon, dass wir keine haben. Was das Mittelalter angeht: Das ist wie mit den Reformatoren. Die Bilder entsprechen immer den Interessen, die an so einem kunsthistorischen Institut vertreten sind. Und da sieht es mit dem Mittelalter mau aus. Ist aber eine wirklich interessante Beoabachtung! Wir werden unbedingt versuchen müssen, die großen Bilddatenanbieter wie prometheus (www.prometheus-bildarchiv.de) davon zu überzeugen, dass sie unser Spiel übernehmen, oder dass wir sie andersheum bei uns einbinden!

          • Youkali sagt:

            Danke für die Information. Ich wünsche viel Erfolg beim Überzeugen. Ich würde mich sehr über Heiligengeschichten mit Stifterfiguren am Rand freuen.

  3. Pingback: Lehrerzimmer » Archiv » Verlorene Links, Fortsetzung

  4. keimelion sagt:

    >Wenn man vorher mit einem Bild begrifflich gearbeitet hat und im >Anschluss die historische Einordnung präsentiert bekommt, >memoriert man dieses Wissen besser

    Sehr gut! Ich kenne keine bessere Methode das visuelle Gedächtnis zu trainieren. Und so was braucht jeder!

    🙂

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