Falsche Freunde kann niemand trennen

Es ist schon erstaunlich, wie akkurat oftmals sogar das winzigste Detail eines Bildes von den ARTigo-Spielern beschrieben wird. Darüber freuen wir uns natürlich sehr, schließlich ist es ja eines unserer Ziele möglichst viele detaillierte Beschreibungen zu den Abbildungen zu erhalten. Dass jedoch unter eingegebenen Begriffen ein paar falsche Tags und Matches dabei sind, ist bei der riesigen Menge an bereits eingetippten Begriffen verständlich.

Diese falschen Beschreibungen sind jedoch ziemlich interessant. Zeigen sie doch beispielsweise auf, wo große Verwechslungsgefahr besteht, wie etwa in diesem Beispiel:

Der Künstler dieses schmucken Gemäldes heißt Claude Lorrain, und nicht, wie von mindestens zwei Spielern vermutet, Tizian. Knapp daneben!

Ebenfalls ihren Urhebern falsch zugerechnet wurde folgende Bilder:

Ersteres ist kein Werk von Pablo Picasso, sondern von Franz Marc. Und letzteres sieht tatsächlich so aus, als entstammte es dem Pinsel van Goghs. Gemalt hat dieses Gemälde jedoch der Schweizer Giovanni Giacometti.

Knapp 450 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Stadt, die hier aus der Vogelperspektive dargestellt wird, und dem von den Spielern vermuteten München:

Wie der geneigte Städtekundler natürlich sofort erkennt, handelt es sich hierbei um Köln.

Es kommt auch immer wieder mal vor, das historische und religiöse Persönlichkeiten verwechselt werden. Das Bild zeigt bedauerlicherweise leider nicht Jesus Christus.


Zu sehen ist vielmehr der immermüde Endymion.

Meiner Meinung haben solche falschen Tags für die Wissenschaft Vor- und Nachteile. Negativ daran ist, ganz klar, die Gefahr, dass später einmal in unserer Datenbank falsche Informationen zu finden sind. Eine der großen Herausforderungen an einem Projekt wie ARTigo ist es daher, sich Mechanismen einfallen zu lassen, die solche Fehlinformationen herausfiltern.
Interessant an diesen falschen Eingaben jedoch, wie es denn zu solchen Verwechslungen kommen konnte. Bekommt etwa ein Gemälde von einem ARTigo-Spieler einen falschen Urheber verpasst, stellt sich die Frage, warum dies so ist. Sind die Künstler der selben Epoche zuzurechnen? Handelt es sich um Lehrer und Schüler? Bediente sich der eine Künstler an den Motiven des anderen? Deuten einige Details der Bilder auf einen anderen Künstler hin? Vielleicht ist es ja sogar möglich, Parallelen zwischen Künstlern zu entdecken, die bislang noch nicht ersichtlich waren?

Großartig sind übrigens solche Schmuckstücke wie dieses hier:

Denn eines der Tags dieser Kinderheimkarte von Thomas John Barnardo lautet: Napoleon.

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4 Antworten auf Falsche Freunde kann niemand trennen

  1. mat sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare, da sind viele richtige Ideen dabei. Ich würde ebenfalls nicht auf „Falscheingaben“ verzichten, beinhalten sie doch, wie Sie bereits geschrieben haben, selbst einiges an Aussagekraft. Verwechslungen wie etwa in dem Fall Köln und München sind in diesem Sinne vielleicht irrelevant; stößt man beim Spielen auf ein solches Bild, ist es ja nur verständlich, dass man einfach rät, um was es sich handeln könnte. Jedoch sind Verwechslungen was die Urheberschaft, den Stil oder die Bildmotive angeht, sehr interessant. Unterm Strich machen auch solche „falschen“ Eingaben die Tag-artige Beschreibung eines Bildes kompletter und komplexer.

  2. keimelion sagt:

    Ehrlich gesagt, sehe ich da kein so großes Problem. Die Datenbank enthält doch die richtigen Bildmetadaten. Es ist doch offensichtlich, dass es zwischen dem hier leidend-liegend gezeichneten Endymion und der christlichen Ikonographie (Pietà) eine visuelle Analogie gibt. Warum dann den Tag „Christus“ nicht einfach stehen lassen? Es kann ja mit den Metadaten des Bildes nicht verwechselt werden und sagt etwas aus über das Bild. Auch bei einer späteren Suche wird es für Finder des „Christus“-Motivs interessant sein, die ikonographischen Wanderungen und Wandlungen zu entdecken und ihnen nachzugehen. Vielleicht hat sich der Künstler tatsächlich von einer Christus-Darstellung inspirieren lassen, vielleicht auch nicht. Das wird man aber erst in nachträglicher Forschungsarbeit mit Sicherheit feststellen können. Auch das Kalb von Marc hat etwas von Picasso und Lorrain zumindest Teile der Farbgebung von Tizian oder venezianischer Künstler. Ich würde das nicht so eng sehen, zumal, wie gesagt, die richtigen Informationen als separate Information kenntlich gemacht sind oder kenntlich gemacht werden können. Professionell gematchte Bildtags kann auch bedeuten, möglichst breite Interpretationen zuzulassen. Ich glaube, man sollte den Status dieser „getaggten Bilder“ als eine andere, neue Kategorie sehen, als solche akzeptieren und tunlichst lernen, damit (auch mit den darin enthaltenen Informationen) umzugehen. 🙂

    • keimelion sagt:

      Empfehlenswert ist immer nicht zu übertreiben und erst recht mit der „Richtigkeit“. Darüber wollte ich immer schon eine Glosse schreiben. Wenn man aus einem anderen Kulturkreis kommt kann man hierzulande über die gesellschaftlichen Umgangsformen rund um die „Richtigkeit“ nur staunen. An allen Ecken und Enden wird einem von wildfremden Menschen und bei den persönlichsten Angelegenheiten erklärt, was man alles „falsch“ gemacht hat oder gerade tut, und vor allem wie es „richtig“ ist. Was ich in den letzten Jahren meines hiesigen Aufenthalts alles „gelernt“ habe und nach Ansicht von Kreti und Pleti anhören musste, dass es „richtig“ ist, damit könnte ich viele Seiten füllen: wie ich an der Ampel zu stehen habe, wie ich auf Knöpfe zu drücken habe, wie ich im Laden meinen Wunsch zu äußern habe, wie ich zu gehen, zu stehen, zu reden, zu schweigen und zu beten habe. Immer wieder empfinde ich es als Anmaßung, aber den Einheimischen fällt es seltsamer Weise gar nicht auf, dass sie daneben sind. Immer wenn ich meine Kollegen beobachte, stelle ich fest, dass dieses gegenseitige Belehren so etwas wie ein Gesellschaftsspiel ist, dass sich jenseits von Hierarchien und Klassen erstreckt. Jeder weist jeden auf die peinlichste Art auf die merkwürdigsten Sachen hin und das akzeptieren alle! Ich (und nicht ich allein) sehen das etwas anders, vor allem wenn es um mündige Bürger und um Erwachsene geht. In dem hier angesprochenen Fall ist es auch nicht anders. Wenn alle bei dem Stadtplan viele München statt Köln eingeben, dann stimmt was nicht, weil die meisten aufgrund von anderen Informationen, als die vom Bild vorgegeben, anfangen zu raten. Aber wenn ein kleiner und schwindend grauer Tag Van Gogh statt Giacometti heißt, dann ist das auch nicht so schlimm, weil es mit der Malweise also mit dem Bild etwas zu tun hat. Außerdem gibt es die verschiedensten graphischen Möglichkeiten, die „falschen“ oder als „Fehlinformationen“ registrierten Angaben zu markieren, statt sie zu tilgen. Denke ich zumindest…

      • keimelion sagt:

        Gut, manche Fehler müssen vermieden werden. Ich sehe das ein und verstehe das Problem. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist, die Metadaten der Bilder von Anfang an zu veröffentlichen. Die „Belohnung“ kann ganz einfach wie bisher bleiben, die Übersicht der eigenen (!) vergebenen Tags mit einer Option vielleicht für ein Kommentar. Ich gehe von mir aus: ich möchte die Bildmetadaten eigentlich immer zuerst wissen (dass sie erst zuletzt kommen irritiert mich sehr und macht mich beim Spielen unruhig) und bin sehr zufrieden, wenn ich am Ende meine Tags noch einmal lesen kann (davon bekomme ich gar nicht genug). Mehr kann ich dazu auch nicht sagen… 🙂

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