Spielend die Welt verbessern

Luis von Ahn (geboren 1979 in Guatemala) ist nicht nur Informatikprofessor an der Carnegie Mellon University und Pionier in Sachen CAPTCHAs. Er ist auch der Wegbereiter der „games with a purpose“, also Spielen mit einem ernsten Hintergrund – wie es auch unsere Spiele ARTigo und Karido sind. Zur Zeit plant er seinen nächsten Geniestreich. Unter der Namen Duolingo entsteht zur Zeit eine Webseite, die eine Sprach-Lernsoftware zur Verfügung stellt, die es den Usern nicht nur erlauben soll „spielend“ eine Sprache zu lernen, sondern gleichzeitig mittels der User-Eingaben Webinhalte übersetzt.
Im Prinzip machen wir mit ARTigo nichts anderes: Unsere User lernen spielend Kunstwerke verschiedener Künstler und Epochen kennen und stellen gleichzeitig Informationen über diese bereit. Hier noch ein nettes Video zu Duolingo:

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15 Antworten auf Spielend die Welt verbessern

  1. keimelion sagt:

    Ich muss mich entschuldigen, dass ich schon wieder alleine rede oder die Blogdiskussion beherrsche mit einem Kommentar, der gar nicht Thema des Postings ist, aber das heutige Tagesbild passt einfach zu gut zu meinem Problem. Es geht also um Claude Monet, Fischer auf der Seine von 1882 in Wien, Kunsthistorisches Museum. Ein sehr schönes Gemälde!

    Das Problem, das mich beschäftigt, ist natürlich wieder einmal die Bildbeschreibung. In der Zeile unter dem Bild steht heute: „Man glaubt zu fühlen, wie die Boote auf dem Wasser schaukeln“. Das ist, wie ich meine, in der Formulierung ein Maximum an Objektivierung von Empfindung, die ein sprachgewandter und kunsterfahrener Autor (Subjekt) heute erreichen kann.

    Das heißt, eine eigene, subjektive Empfindung wird so weit verallgemeinert, dass sie auch für andere Betrachter Gültigkeit hat. An dieser Stelle kann man sagen, dass die Beschreibung obwohl von eigener Rezeption ausgeht, einen gewissen Grad an Allgemeingültigkeit hat, weil die Empfindungen einer Mehrheit damit angesprochen werden. Die Bildbeschreibung ist also nicht mehr subjektiv – Hauptvorwurf, der ständig der Kunstwissenschaft gemacht wird – sondern zulässig weil sie auf eine nachvollziehbare Mehrheit trifft, also in gewissem Sinne objektiv.

    Das ist aber nur ein Satz einer bevorstehenden Bildbeschreibung und die Zeit, die Erfahrung, ja das Wissen, die dahinter stecken sind – ich sage es mal ganz einfach – immens.

    Was macht nun das ARTigo-Spiel? Das ARTigo-Spiel bringt links neben dem Bild Tags in unterschiedlicher Größe, die sich für eine (sage ich) gültige Bildbeschreibung eignen. Diesmal würde sie zum Beispiel lauten: „Angler fischen in Kähnen am Ufer eines Gewässers. Man sieht das Gras, einen Weg, die Angeln, die Spiegelung in den ruhigen Wellen. Ein Mann schaut zu, die anderen sitzen oder stehen in ihren Kähnen, es ist in Frankreich.“

    Zugegeben es ist nicht großartig, es ist nicht perfekt, es ist weit von dem Ideal einer Bildbeschreibung, wie man sie sich wünscht. Aber es ist eine objektive – weil von einer (Spieler)-Gemeinschaft erzeugte – Bildbeschreibung. Sie trifft das, was eine Mehrheit sieht und ist nicht frei von Sensibilität, auch wenn sie nicht unbedingt das „Gefühl“ des Betrachters (was das auch immer sein mag) ausdrückt.

    Wenn das also als Bildbeschreibung akzeptiert werden würde, würde sich der Vorwurf der Subjektivität bei weniger gelungenen und von einzelnen Betrachtern verfassten Bildlektüren erübrigen und man könnte ruhig zur wissenschaftlichen Bildanalyse bzw. -interpretation über gehen.

    Sicher, der einzelne Satz unter dem Bild sagt hundert Mal mehr, ist er aber deshalb besser? Er ist anders, es ist etwas anderes, klar! Aber unbedingt schnell ist er nicht entstanden. Warum also nicht einfach pragmatisch das nehmen, was gut ist, relativ (!) schnell entsteht und frei von Subjektivität ist? Warum nicht?

  2. keimelion sagt:

    Schluchz! So traurig die Geschichte von Pyramus und Thisbe! Poussin hat sie zwar schön gemalt, aber sie ist trotzdem sooooo traurig… 🙁

  3. keimelion sagt:

    Dieses heutige Gemälde von Franz Pforr „Der Graf von Habsburg“ ist einfach nur hässlich! Es ist so hässlich, dass man es in Worte gar nicht fassen kann. Weder versteht man, worauf es sich bezieht, noch kann man mit der bemühten Darstellung etwas anfangen. Diesmal verstehe ich weder das Bild, noch die Zeile darunter. Ich verstehe nichts, null, ich finde es nur hässlich! 🙁

    • keimelion sagt:

      Und wer ist Franz Pforr? Lt. wikipedia hat er sehr wenig gelebt und noch weniger gemalt. Dazu auch noch so hässlich! Also wirklich! Diese Romantik ist manchmal schon gewöhnungsbedürftig! Ein Pfarrer barfuß, ein Jüngling in Pantoffeln, alles in Szene gesetzt wie auf einer schlechten Bühne. Und alles historisch! Uff! Gut, ich gebe zu, ich verstehe es nicht, da sollte ich nicht so darüber herfallen. Aber nur weil ich es nicht verstehe, deswegen wird es nicht besser! 🙁

      • keimelion sagt:

        Bitte beim nächsten Mal Franz Pforr rausnehmen und ersetzen mit einem schönen Bild natürlich von Nattier, Boucher oder Fragonard, Watteau oder La Tour oder so. 🙂

  4. keimelion sagt:

    In einer Landschaft stehen mehrere Männer mit Degen. Sie tragen Stiefel, Mäntel und Hüte und haben Schärpen. Sie stehen auf Boden im Licht vor dem Hintergrund eines Himmels. Der eine ist in Blau, der andere in Schwarz gekleidet, doch die chromatische Tonalität des Gemäldes bestimmt die Farbe Grün. Das Bild von Edouard Manet nach Velázquez trägt die Signatur des Malers.

    Und das ist eine Beschreibung des Bildes des Tages anhand der vergebenen Tags. 🙂

    • keimelion sagt:

      Ich frage mich nur, welches Gemälde von Velázquez hier Manet kopiert haben könnte? Hat jemand einen Tipp? Ich will jetzt nicht das ganze Œuvre des Spaniers durchgehen… 🙂

      • keimelion sagt:

        Ach! Schon wieder Manet nach Velázquez, diesmal mit ganz anderen Tags! Auch ein ganz anderes Bild, wahrscheinlich eine weitere Kopie. Also auch eine andere Beschreibung!

        Diesmal ist also eine Gruppe zu sehen. Rot, weiß, orange, grün, blau, braun und schwarz ergeben eine farbenfrohe Komposition. Die Männer tragen Waffen und Stiefel oder Stöcke und haben Gürtel. Sie werfen ihre Schatten auf den Boden. Manche haben Schnurrbart und sie begrüßen einander. 🙂

        • keimelion sagt:

          Das Bild von heute ist in Boston im Museum of Fine Arts, das von vor zwei Tagen – in Norfolk im Chrysler Museum. Sehr schön! 🙂

  5. keimelion sagt:

    Dieser „Luzifer“ von Franz von Stuck ist schon furchterregend. Gelbe Augen fixieren einen aus dem Dunklen eines Bildes, dazu kaltes blaues Licht. Ich wusste gar nicht, dass sich das Gemälde in Sofia befindet. Leider kann ich gar nicht richtig erkennen, was es darstellt. Außer einen sitzenden Mann und ein Blitzstrahl in der Nähe. Aber was er unter dem rechten Arm hält, sehe ich nicht…

  6. Fabian sagt:

    Von der technischen Seite her kann ich mir das schon vorstellen, allerdings glaube ich aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht, dass man durch reines Textübersetzen eine Sprache lernen kann. Siehe auch hier: http://www.sprach-blog.de/?p=84

    • keimelion sagt:

      Man erlernt sie, aber langsamer als in herkömmlichen Sprachkursen. Allerdings auch schneller, als wenn man selber mit einem Wörterbuch in der Hand die Zeitung zu lesen versucht. Da kenne ich einige Beispiele. Es wollen auch nicht alle Literaturübersetzer werden, also wird es klappen. Ein wichtiger Ansporn übrigens, den Luis von Ahn in dem Video auch nennt, ist die Aktualität der Texte. Man erlernt also zwar eine Schriftsprache, aber eine gängige und übt nicht steril anhand von mehr oder minder abgegriffenen Lehrbüchern. Es gibt ja nicht überall auf der Welt die neuesten Lernmethoden für den Erwerb einer Fremdsprache. Ich bin jedenfalls gespannt, was daraus wird! 🙂

  7. keimelion sagt:

    Doch, doch! Mich hat er überzeugt. Wenn Menschen eine Fremdsprache lernen wollen, dann wird das eine sehr gute Möglichkeit sein das zu tun. Nicht nur kostenlos zudem, sondern auch noch für die anderen nützlich. Ich bin sicher, das wird funktionieren! Was mir eher unwahrscheinlich erscheint, ist die Rechnung: eine Million Menschen könnten die englische Wikipedia in 80 Stunden übersetzen. Das kommt mir kaum zu glauben! Auf jeden Fall der Gedanke, das gesamte Web mit Hilfe von Menschen übersetzen zu lassen, ist in der Tat genial! Ein phantastische, flächendeckende Öffnung in relativ kurzer Zeit. Sicher, die Übersetzungen werden professionellen Übersetzungen gegenübergestellt werden. Das dürfte dann doch nicht so schnell gehen. Aber immerhin… Alle werden alles lesen (und sprechen) können, sei es, dass sie die Sprache erlernen, sei es, dass der Text bereits in der Muttersprache übersetzt ist. Das ist ja lustig und zugleich sensationell, wenn man bedenkt, wie viele Utopien über eine gemeinsame Sprache schon gescheitert sind. Doch, ich denke, es könnte funktionieren! 🙂

  8. Hubertus Kohle sagt:

    Grandios ist auch sein Vortrag zum Thema
    http://www.youtube.com/watch?v=cQl6jUjFjp4
    Allerdings wird nicht viel über die Funktionsweise des Spiels gesagt. So ganz traue ich dem Braten nicht

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