Censoring the Internet? That’s SOPA-thetic!

24 Tage ist das neue Jahr erst alt, doch bereits jetzt hat man den Eindruck, dass es schlimmer eigentlich kaum kommen kann – vorausgesetzt, das mit dem Weltuntergang ist wirklich nur eine Maja-Ente. Krisenherde, wohin man nur sieht, von der Kreditaffäre bis zum Kreuzfahrtschiffsunglück. Ja, nicht einmal mehr auf Thomas Gottschalk ist Verlass, und im Dschungelcamp läuft es dieses Jahr auch nicht mehr so wie früher.

Für all jene, die sich mit dem Internet auseinandersetzen, was ja irgendwie auf uns alle zutrifft, hat das neue Jahr mit einem mittelgroßen Erdbeben angefangen: Der „Stop Online Piracy Act“, ein unter anderem vom texanischem Republikaner Lamar S. Smith initiierter Gesetzesentwurf um die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte zu verhindern, soll nun im amerikanischem Justizausschuss des Repräsentantenhauses diskutiert werden. Weltweit löste „SOPA“ unter vielen Internetnutzern Schrecken und Protest aus. Namhafte Gegner des Gesetzes sind unter anderem die Unternehmen Google, Yahoo, Facebook und Ebay.

SOPA soll Gesetze und Gesetzesvorhaben aus den Jahren 2008 und 2011 („PRO-IP act“ und „PROTECT IP act“, kurz „PIPA“) noch einmal verschärfen und, so zumindest die Befürchtung der Gegner des Gesetzesentwurfes, das Internet regelrecht zensieren.

Der Grund: Mit SOPA soll es für die Inhaber von Urheberrechten künftig einfacher sein, Verstöße gegen ihr geistiges Eigentum zur Anzeige zu bringen, und zwar in einem Maße, dass es Internetnutzern und Fans des Mitmach-Webs nahezu unmöglich mache, an manchen Facetten des Internets zu partizipieren. Ein in den Medien oftmals erwähntes Beispiel: War es bislang verboten, ein z.B urheberrechtlich geschützes Musikvideo von Michael Jackson bei Youtube hochzuladen, so wäre es mit SOPA und PIPA ebenfalls ein Gesetzesverstoß, würde man ein Video seiner Großeltern hochladen, die auf einer Hochzeit zu Michael Jackson tanzen (sofern die Musik auch noch so leise zu hören ist).

Auch wenn noch weitere, signifkantere Einbußen der freien Internetnutzung durch dieses Gesetzesvorhaben aufzuzählen wären, finde ich dieses lapidare Beispiel auch in Hinblick auf ARTigo ziemlich interessant. Geht es doch dabei um „Urheberrechtsverletzungen“, die den Inhaber der Urheberrechte, in diesem Falle derjenige, der die Rechte an der Musik von Michael Jackson hält, nun wirklich keinen Schaden zufügt.
Uns bei ARTigo beschäftigt vor allem die Frage nach den Urheberrechten von Abbildungen von Kunst. Grob gesagt ist es so, dass „Kunst-Bilder“ über keine Urheberrechte mehr verfügen, wenn der ursprüngliche Schöpfer des Werkes länger als 70 Jahre tot ist. Bilder von den Werken Michelangelos? Kein Problem. Von Rubens? Kein Problem. Von Gerhard Richter? Keine Chance. Von Walter Sickert? Erst ab dem 31. Mai diesen Jahres.
Es wäre natürlich noch besser für unsere Spiele, wenn wir auch uneingeschränkt moderne und zeitgenössische Kunst verwenden könnten, wir tun im Übrigen viel, um auch das in einem gewissen Maßstab den Spielern zu garantieren, etwa in dem wir Kooperationen mit den Rechteinhabern oder Museen und Kunsthallen eingehen. Doch wäre dies sicherlich noch ausbaufähig.

Grundsätzlich, und um das Thema hier abzuschließen und an das diskussionserfahrene Plenum im Kommentarsektor weiterzureichen (was haltet ihr von SOPA?), finde ich, dass es schwieirig ist, zu dieser Thematik dezidiert Stellung zu nehmen, schließlich ist und bleibt geistiges Eigentum schützenswert. Dass die amerikanischen Gesetzesinitiativen jedoch in ihrer Form dem gegenwärtigen Internet nicht gerecht werden und die Nutzer massiv einschränkt, ist kaum zu übersehen. Nicht ohne Grund formiert sich im Weltweitnetz eine Widerstandsbewegung, die meiner Meinung nach plausible Argumente vertritt.

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2 Antworten auf Censoring the Internet? That’s SOPA-thetic!

  1. keimelion sagt:

    Meine Erfahrung ist, dass eine Nachfrage sinkt, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmt. Wenn ich mir eine tanzende Oma ansehen muss, nur um Michael Jackson zu hören, dann verzichte ich lieber und kaufe mir die CD. Sicher ist das subjektiv. Es wird bestimmt auch Leute geben, die eine tanzende Oma in Kauf nehmen, nur um Michael Jackson zu hören. Wie immer in einer Demokratie wird die Mehrheit der Nutzer darüber entscheiden, ob die Idee tragfähig ist, oder der „Laden“ Pleite macht. Eine auf Michael Jackson tanzende Oma kann aber natürlich als mehr oder minder marktfähiges Produkt eingestuft werden. Für seine Herstellung kann man natürlich Geld verlangen, soweit das verwendete „Material“ einen Urheber hat.

    So sehe ich das. Schlimm finde ich aber bei dieser Verschärfung der Gesetze, wenn jene zur Michael-Jackson-Kasse gebeten werden, die gerne eine tanzende Oma zeigen, egal welche Musik im Hintergrund läuft. Das „Produkt“ von ARTigo ist das Spiel unabhängig davon, welche Kunstwerke getaggt werden sollen. Ob zeitgenössische Kunstwerke seinen „Marktwert“ so wesentlich steigern würden, dass von einer substantiellen Produktänderung oder gar von einem neuen „Produkt“ gesprochen werden kann, das müsste sich erstmal herausstellen. Viel eher wird es wohl so sein, dass der Marktwert von so mancher zeitgenössischen Kunst durch ARTigo gesteigert werden wird, zumal es erst so einem größeren Publikum bekannt wird.

    Aber ja, wie Sie auch sagen, die Frage bleibt schwierig!

    • keimelion sagt:

      p.s. Täglich entsteht so viel zeitgenössische Kunst, die sich niemand ansieht und kaum jemand kennt, die aber ARTigo-Spieler bestimmt gerne taggen würden (Bsp. http://www.flachware.de). Man müsste aber wahrscheinlich mit jeden einzelnen Künstler sprechen, um dafür die Urheberrechte zu bekommen. Das nur so weil es mir in den Sinn kam. 🙂

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