Datensammeln leicht gemacht? Daten, sammeln, leicht gesucht!

Wer im Geschäft Babykleidung kauft und seine Payback-Karte zum Punktesammeln benutzt, der bekommt nicht selten kurze Zeit später einen Katalog für Kinderspielzeug zugeschickt. Und wer im Internet – natürlich aus Versehen oder nur „für einen Freund“ – eine „Modern Talking“-CD bestellt hat, der bekommt beim nächsten Mal online shoppen gleich die Autobiographie von Dieter Bohlen empfohlen.
Durch „Data Mining“, also „Daten schürfen“, versuchen verschiedene Unternehmen, automatisiert bestimmte Verhaltensmuster ihrer Kunden herauszufinden. Ob dies mit der aktiven Einwilligung der betroffenen Personen geschieht, sei mal dahingestellt.
Uns sind eure Wohnorte, Geburtsdaten, Lieblingsbücher, Einkaufslisten und (merkwürdigen) Vorlieben für Popmusik aus der Feder von Bohlen und Anders erstmal ziemlich egal. Was wir von euch wollen, sind eure Schlagworte, und zwar nur die Schlagworte. Wenn ihr „ARTigo“ spielt, dient uns das dazu, Bilder aus riesigen Datenbanken mit Schlagworten zu versehen, so dass ihr es leichter habt, bestimmte Bilder zu finden. Wer dabei welches Schlagwort eingegeben hat, ist dabei nicht interessant.*** Wichtig ist nur, dass wir möglichst viele passende Begriffe von euch geliefert bekommen. Eure weiteren Daten werden natürlich nicht weitergegeben oder sonstwie veröffentlicht.

Allerdings kann man nicht abstreiten, dass es manchmal ganz interessant wäre zu wissen, welche Personengruppen was für Begriffe eingeben. Was meint ihr dazu? Glaubt ihr z. B., dass Frauen anders taggen als Männer? Sind aus Sicht eines Akademikers manche Bilder „blauer“, „schöner“ oder „heroischer“ als aus der Sicht eines Schülers? Es gibt eine Magisterarbeit von einer Studentin an der LMU, die sich via Fragebogen an die ARTigo-Spieler gewandt hat, um eben solche Unterschiede herauszufinden. Einige Ergebnisse werden wir Euch in Kürze präsentieren.

 

*** wobei: Es wäre schon verlockend zu wissen, wer dieses unvergleichliche Meisterwerk an Ästhethik und weiblicher Grazie mit „langweilig“ und „doof“ getaggt hat. Ihm würde ich gerne meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen. Besser hätte ich es auch nicht beschreiben können 🙂

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13 Antworten auf Datensammeln leicht gemacht? Daten, sammeln, leicht gesucht!

  1. Pingback: Weil Frauen nicht einparken können und Männer nicht zuhören? – Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Tag-Vergabe. | play4science

  2. mat sagt:

    Nicht schlecht, gleich identifiziert! Und nicht böse sein, ist und bleibt ja alles ganz große Kunst 🙂

    • keimelion sagt:

      Das wird ja alles nur noch schlimmer… ;-( …wenn ich nur daran denke, dass es mindestens zwei Spieler gewesen sein müssen, damit das Schlagwort überhaupt durchgeht… ;-( …und Sie sagen auch noch, es sei „alles große Kunst“… ;-( …und alle freuen sich insgeheim… ;-( …und draußen regnet es… ;-(

      … ich gehe lieber spielen…

      …und tagge als Rache alle Rokoko-Bildchen mit „schön“!

      🙂

      • mat sagt:

        Keine Panik, die Begriffe wurden nicht gematcht, also nur von einem Spieler eingegeben. Also alles halb so wild. Und das mit dem Rokoko-Bildchen geht klar, bei „schön“ stehen die Chancen meist ja ganz gut, gematcht zu werden!

    • keimelion sagt:

      Zur Sache: Der Datensammlung ihre Anonymität zu lassen, sie aber zugleich der Beliebigkeit entziehen zu wollen, ist, wie ich finde, ein mutiges und nicht minder sinnvoles Unterfangen. Um mit den Ergebnissen dieses Spiels gründlich arbeiten zu können, ist das natürlich ein notwendiger Schritt. Mir würde dieser zusätzliche Einblick in den Hintergrund der Spielteilnehmer – primär als undifferenzierte Menge wahrgenommen – in erster Linie dazu helfen, bei der Bildbeschreibung und -analyse die eigene Rezeption zu hinterfragen. Wenn in etwa weiß, wie eine Kategorie taggt, gehe ich bei der Arbeit mit den Informationen aber auch mit dem eigenen (bislang unreflektieren) Beitrag anders um. Ein wenig mehr Wissen und ein wenig weniger Emotionalität oder ungenaue Intuition wird aus meiner Sicht der Arbeitsmethode in diesem Fach nicht schaden. 🙂

      • Laura Commare sagt:

        Gäbe es an dieser Stelle einen „gefällt mir“-Button, würde ich ihn drücken. Stimme voll und ganz zu!

      • mat sagt:

        Daten anonym zu belassen, sie aber dennoch spezifisch auswerten zu können: Das ist meiner Meinung nach genau der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Es ist schon ziemlich interessant, was für Tags im Ganzen vergeben werden. Interessanter ist es natürlich z. B. zu wissen, inwiefern bestimmte Begriffe geschlechtsspezifisch eingegeben werden. Und am interssantesten wäre es, zu vergleichen, wie sich die Begriffe eines Hamburger Matjesgroßhandelskaufmann von denen einer Würzburger Ölmagnatin untscheiden :).

        Gleichzeitig, und das war eigentlich das Anliegen dieses Beitrags, soll aber sichergestellt sein, dass erstens in der Tat die rohen Tags im Vordergrund stehen. Mit ihnen allein kann man schon ganz tüchtig arbeiten. Und zweitens, dass es, im Gegensatz zu sonstigem personenbezogenen Datenschürfen, hier wirklich nicht um das Zuschneiden der Eingaben auf eine reale Person geht. Die Anonymität ist entscheidend, andernfalls würde man sich wohl kaum von etwaigen kommerziellen Datenschleudern wie Google, Facebook & co. unterscheiden.

        • keimelion sagt:

          Ich finde auch, dass man mit diesen „rohen Tags“, die in greifbares Ergebnis des Datensammelns sind, schon sehr gut arbeiten kann. Ein wenig habe ich es probiert und es ist eine Erleichterung und eine Entlastung, die Bildbeschreibung (Beschreibung von Kunstwerken oder Artefakten) auf diese Stützen – von denen man mit ziemlicher Sicherheit annehmen darf, dass sie vom Publikum so rezipiert werden – aufzubauen. Auch für die eigene Arbeit ist es leichter die Grenzen zu ziehen: wo beginnen die eigene Sensibilität, die intendierte Differenzierung, die Interpretation, die Subjektivität des (kunsthistorischen) Autors. Diese untere, sehr notwendige Grenze der Wahrnehmung abgesteckt zu haben, könnte einer der großen Vorteile dieser Methode werden. Eine solche greifbare Neutralität und/oder Objektivität als Ausgangspunkt und zugleich eine Gewissheit gemeinsamer Sprache mit dem Betrachter hatte das herkömmliche Verfahren bislang nicht, wenn ich das richtig sehe. Es könnte gut sein, dass sich der kunsthistorische Diskurs in Zukunft merklich ändert… 🙂

  3. keimelion sagt:

    Wieso soll gerade ein Porträt, das nach Maurice-Quentin de la Tour aussieht, „doof“ und „langweilig“ sein?! Da bin ich aber beleidigt… heul! :‘-(

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