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Blogger Sascha Lobo über Twitter und Museen

Heute soll über ein Kurzinterview des deutschen Vorzeige-Bloggers Sascha Lobo berichtet werden. Denn vor einiger Zeit gab der Berliner mit der adretten Irokesen-Frisur der „art“ ein interessantes Kurzinterview: „Sascha Lobo, warum twittert ein Museum?“, wird der 35-Jährige hier gefragt.
Natürlich weist er darauf hin, dass Twitter die perfekte Möglichkeit ist, innherhalb kürzester Zeit eine große Menge potentieller Museumsbesucher zu erreichen – auch wenn die Kurzmitteilungsplattform natürlich keine Garantie sei, die Follower in Scharen in die Institutionen zu locken.
Interessant finde ich jedoch folgende Aussage von Lobo:

„Twitter ist der digitale Strom des Erlebens, in dem einzelne Botschaften nach Minuten veraltet und nach Stunden kaum mehr auffindbar sind. Ein Museum dagegen hat den Anspruch über den Moment hinaus ein Stück Kultur festzuhalten.“

Natürlich hat der Kultblogger recht. Und dennoch, so finde ich, ist die schnelllebige Internetkultur zumindest ansatzweise mit der eher trägen Museumslandschaft wesensverwandt: Zeitlich begrenze Ausstellungen etwa sind, nun ja, nur zeitlich begrenzt zu sehen. Danach sind die Exponate oft weg, weitergezogen, eingelagert, oder, im Falle einer Retrospektive, anschließend meist wieder über den Globus verteilt. Und mal abgesehen von den großen Meisterwerken wandert, überspitzt formuliert, früher oder später eh alles mal ins staubige Archiv. Wer also nicht zur rechten Zeit am rechten Ort ist, der verpasst was – ähnliches passiert tagtäglich im Zwitscher-Mahlstrom.
Gleichzeitig finden wirklich herausragende Tweets, wie etwa vor einiger Zeit die von Regierungssprecher Steffen Seibert, Einzug in die Annalen des Online-Journalismus und werden somit zumindest für begrenzte Zeit konserviert (hier präsentiert die „Welt“ fünf berühmte Tweets).

Wie ist das nun zu beurteilen? Haben Museen und sonstige Ausstellungsräume zumindest ansatzweise mehr mit der Generation Twitter gemein als zunächst zu vermuten ist? Sicherlich ist ein bestimmtes Kunstwerk nicht bereits nach Stunden verschwunden, aber immerhin doch oftmals nach einiger Zeit nicht mehr am vorherigen Ort aufzuspüren. Und gleichzeitig vergisst doch das Internet sowieso nichts, Informationen, sei es auch nur ein Tweet, sind doch, wenn nicht bis in alle Ewigkeit, immerhin ziemlich lange aufspürbar. Die oft beschworene Diskrepanz zwischen schnelllebigem Internet-Lifestyle und der analogen Behäbigkeit, die auch ein Museum oftmals vermittelt, ist also gar nicht so groß. Oder wie seht ihr das?

Übrigens: Das Münchner Kartoffelmuseum geht dieser Thematik elegant aus dem Weg. Es ist nach eigener Aussage das weltweit einzige Museum, das sich der Kartoffel ausschließlich in kunst- und kunsthistorischer Hinsicht widmet. What happens in the Kartoffelmusem, stays in the Kartoffelmuseum…

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