In diesem Video erklärt Hubertus Kohle, was es eigentlich mit ARTigo auf sich hat und wofür es verwendet wird. Viel Spaß beim Ansehen!
Die dunklen Seiten des crowdsourcing
Beim Durchforsten einiger Bilder samt zugehöriger Annotationen habe ich zuletzt eine eingermaßen unschöne Entdeckung gemacht. Manche der vor allem frühneuzeitlichen Bilder aus höfischem Kontext, in denen schwarze Diener oder auch Sklaven dargestellt waren, hatten einige unserer Mitspieler mit dem Begriff “Neger” getaggt. Es dürfte unbestritten sein, dass dies ein heute vollkommen unmöglicher, weil rassistischer Sprachgebrauch ist. Ich bin mir auch sicher, dass dieses jedem einzelnen, der den Begriff getaggt hat, bewusst ist, und dass er/sie im alltäglichen Sprachgebrauch sich des Begriffs niemals bedienen würde. Beim Taggen von Bildern scheint das etwas anderes zu sein: Wenn man Punkte machen kann, gibt es keine sprachliche Zurückhaltung, außerdem fühlt man sich vielleicht auch geschützt vom Deckmantel der Anonymität. Was tun? Sollen wir die tags löschen? Durch andere ersetzen? Unsichtbar machen? Sie erinnern sich sicherlich an die Diskussion zu dem Kinderbuchautor Ottfried Preußler, die noch gar nicht so lange zurückliegt. Der hatte das Wort “Neger” so verwandt, wie das bei seinen Zeitgenossen üblich war. Und was machen wir, wenn wir aus seinen schönen Geschichten unseren Kindern vorlesen? Auch in diesem Fall gar nicht so einfach zu entscheiden. Bei uns prallen Dokumentationsbedürfnisse einerseits, andererseits aber das Bestreben, einen tendenziell rassistischen Sprachgebrauch zu verhindern, aufeinander. Ich bin auf Ihr Urteil gespannt.
Frohe Ostern!
Das ARTigo-Team wünscht allen Spielerinnen und Spielern ein frohes Osterfest! Hier findet ihr eine Auswahl an Bildern, die mit „Ostern“ getagged wurden. Wenn ihr mit dem Mauszeiger kurz über die Bilder fahrt, erfahrt ihr, von wem das Kunstwerk stammt und wie es heißt. Viel Spaß!
Bildersuche in digitalen Massendaten
Die Bayerische Staatsbibliothek und das Frauenhofer Heinrich-Hertz-Institut stellen heute ihre neue ähnlichkeitsbasierte Bildsuche vor, die sie hier finden. Laut Eigenaussage handelt es sich bei der Technologie um eine „Weltneuheit“. Die Ähnlichkeit wird nicht nach einem vorher eingegeben Text beurteilt, sondern anhand der Struktur der Bilder. Auf jeden Fall sieht man in obigem Bild schon, dass die Benutzeroberfläche toll aussieht. Die interessanteste Einstellung, die man meiner Meinung nach vornehmen kann, ist eine genaue zeitliche Einschränkung der gesuchten Werke. Die Bayerische Staatsbibliothek beschreibt ihren Dienst wie folgt:
In den Handschriften und historischen Drucken der Bayerischen Staatsbibliothek finden sich viele Tausende Bilder, Illuminationen, Holzschnitte, Graphiken, Zeichnungen und Embleme. Schon aufgrund ihrer Menge können diese nicht einzeln katalogisiert werden. Sie bleiben daher für die Forschung auch dann weitgehend „verborgen“, wenn die Werke selbst digitalisiert und zur freien Nutzung im Internet verfügbar sind.Hier schafft die neue Bildsuche nun Abhilfe. Auf der Grundlage der Farbverteilung und der Konturen einer Abbildung erfasst die Software die formale Struktur des Bildes und vergleicht es mit ähnlich strukturierten Bildern. Die neue Technologie bietet dem Nutzer so die Möglichkeit, anhand eines von ihm vorgegebenen Bildes aus einem digitalisierten Buch nach visuell ähnlichen Abbildungen innerhalb großer Sammlungen digitaler Werke des Münchener Digitalisierungszentrums der Bayerischen Staatsbibliothek zu suchen. Aktuell umfasst der recherchierbare Bestand rund 73.000 digitalisierte Bücher mit Bildmaterial vom 6. bis 19. Jahrhundert der Bayerischen Staatsbibliothek. Insgesamt handelt es sich um 9,5 Millionen digitalisierte Buchseiten und ca. 4 Millionen bildliche Darstellungen.
Vier Millionen Bilder klingt erstmal viel, aber eine umfassendere Suche mit dieser Methode wäre natürlich auch großartig. Leider funktioniert der Dienst bisher nur eingseschränkt. Es gibt wohl gerade einfach zu viele Anfragen. Ein richtiger Test war deshalb leider noch nicht möglich.
Die geheime Verbindung von Kunst und Informatik
Die Idee für ARTigo entstand ursprünglich aus einer Kooperation der Kunstgeschichte und der Informatik der LMU München, vertreten durch den Kunstgeschichtsprofessor Hubertus Kohle und den Informatikprofessor François Bry. Verdeckte Ermittlungen des ARTigo-Geheimdienstes haben nun ergeben, dass die Informatiker ihr Geld in Frankreich mit Kunst verdienen wollen, wie obiges Bild beweist (Toulouse).
Delacroix getagged
Eugène Delacroix’ berühmtes Bild „Die Freiheit führt das Volk“ wurde auf spektakuläre Art und Weise getagged. Das ARTigo-Team muss diese Aktion zum Anlass nehmen, um zwei Dinge klar zu stellen:
- Das ARTigo-Team war in keinster Weise an diesem Vorfall beteiligt
- Wir möchten zum wiederholten Male darauf aufmerksam machen, dass das Taggen von Kunstwerken in der Realität zu unterlassen ist
Die Frau, die im Pariser Louvre ihr Tag „AE911“ hinterließ war vermutlich nicht im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte. Was das Tag bedeutet ist noch unklar. In obiges Bild habe ich ein paar weitere Beispieltags eingefügt. Beim Spielen von ARTigo dürfen Sie übrigens eingeben, was ihnen in den Sinn kommt. Auch abstrakte Begriffe oder Stimmungen, die Sie beim Betrachten des Bildes empfinden. Eine Suche nach „AE911“ lieferte übrigens keine Ergebnisse in der ARTigo-Suche.
Nominierung für den Digital Humanities Award 2012
ARTigo wurden für einen „Digital Humanities Award“ 2012 in der Kategorie „Best DH project for public audiences“ nominiert!!! Wir freuen uns natürlich riesig! Und ganz im Sinne des Crowdsourcing darf jeder seine Stimme abgeben
Auf der Award-Webseite könnt ihr unserem Projekt noch bis zum 17. Februar für ARTigo voten!
Tagung zum Crowdsourcing
Artigo wird auch auf einer Tagung angesprochen, die Anfang nächster Woche an der LMU München stattfinden wird. HERZLICHE EINLADUNG!
Was Lehrreiches, was zum Spielen und eine Kunstsuchmaschine
Wenn ich erklären muss, was ARTigo eigentlich ist, dann überlege ich mir vorher immer zuerst, wer mir gegenüber steht. Entweder sage ich dann, dass es sich um ein Spiel handelt, ein didaktisches Projekt oder um den Aufbau einer Kunstsuchmaschine. In Wahrheit ist ARTigo natürlich alles auf einmal. Ich habe mal versucht das graphisch darzustellen. Natürlich bietet ARTigo Spielspaß, bei dem man gleichzeitig Kunst kennenlernen kann und außerdem dazu beiträgt eine Kunstsuchmaschine zu füttern.
Und in Wirklichkeit unterschlägt dieser Ansatz noch einen der wichtigsten Punkte überhaupt. Die Daten, die durch euch fleißige Mitspieler angefüttert werden, dienen am Ende natürlich nicht nur einer simplen Suche, sondern auch der Forschung – denn mit ihnen lassen sich zahlreiche spannende Fragen beantworten, allen voran können wir so feststellen, wie Kunst überhaupt wahrgenommen wird. Nicht um sonst heißt unser Projekt auch „Play4Science“. Auf der Projektwebseite könnt ihr übrigens auch immer die aktuellen Publikationen zu ARTigo einsehen!
Silvester in der Kunst
Silvester in der Kunst? Ok, das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber wir wünschen unseren ARTigo-Spielern trotzdem einen guten Rutsch! Zu diesem Anlass habe ich euch zwar keine Silvesterbilder, dafür aber ein paar schöne Feuerwerke aus der ARTigo-Suchmaschine geangelt. Wir sehen uns im neuen Jahr!
















